Leibnizer Journal für Freiheit und Verantwortung
Standpunkt

Die Freiheit ist kein Betriebsunfall

Wofür Leibnizer steht: für Individualismus, den freien Markt, die freie Welt, den Westen und die abendländische Kultur – und gegen Sozialismus und Kollektivismus.

Der freie Mensch ist eine Zumutung. Er fragt, wenn Gehorsam bequemer wäre. Er entscheidet, obwohl ein Ausschuss längst beschlossen hat, was gut für ihn sein soll. Er kann irren, scheitern, neu anfangen und dabei auf Gedanken kommen, die in keinem Fünfjahresplan vorgesehen waren.

Leibnizer steht auf seiner Seite. Wir stehen für Individualität, den freien Markt und die freie Welt. Wir stehen für den Westen und für jene abendländische Kultur, die den Menschen nicht als Material einer großen gesellschaftlichen Maschine begreift. Und wir stehen gegen Sozialismus und Kollektivismus – nicht aus Folklore, nicht aus Lagerromantik, sondern weil beide den Einzelnen am Ende einer Idee unterordnen, die andere für ihn entworfen haben.

Der Mensch ist kein Rohstoff

Individualität bedeutet nicht, dass jeder allein auf einer Insel sitzt und Rechnungen an die Möwen schreibt. Menschen leben in Familien, Nachbarschaften, Vereinen, Unternehmen, Gemeinden und Nationen. Sie übernehmen Pflichten, halten Versprechen, tragen Verantwortung und schaffen Dinge, die keiner allein zustande brächte. Aber diese Gemeinschaften sind für den Menschen da. Der Mensch ist nicht für sie da wie Kohle für den Hochofen.

Marx fand dafür eine kalte, treffende Sprache. Im ersten Band des Kapitals nennt er die Arbeitslosen eine „disponible industrielle Reservearmee“ und das „stets bereite exploitable Menschenmaterial“. Die Diagnose ist scharf. Der Sozialismus zog daraus allerdings nicht die Konsequenz, den Menschen jeder Verfügungsgewalt zu entziehen. Er wechselte den Verfügenden aus: An die Stelle des Kapitalisten trat der Planapparat.

Der Kollektivismus dreht dieses Verhältnis um. Er erklärt eine Klasse, eine Nation, eine Identität oder ein vermeintliches Gesamtinteresse zum eigentlichen Subjekt der Geschichte. Der Einzelne wird zum Exemplar, seine Freiheit zur Verhandlungsmasse. Solange er in die vorgesehene Richtung läuft, darf er sich frei fühlen. Weicht er ab, erscheint seine Eigenwilligkeit plötzlich als Störung, Unsolidarität oder falsches Bewusstsein.

Wir halten diese Störung für kostbar. Fortschritt beginnt oft dort, wo einer den vorgeschriebenen Weg verlässt.

Der Markt ist kein Paradies. Er ist ein Verfahren.

Der freie Markt verspricht keine vollkommene Welt. Er verteilt weder Tugend noch Glück und bewahrt niemanden automatisch vor Torheit. Sein Vorzug ist nüchterner und gerade deshalb gewaltig: Er erlaubt Millionen Menschen, ihr Wissen, ihre Bedürfnisse und ihre Ideen miteinander abzugleichen, ohne dass eine Zentrale all das kennen, bewerten und befehlen müsste.

Preise sind dabei keine Dekoration für Kaufhäuser. Sie übermitteln Knappheit, Nachfrage und Risiko. Gewinn zeigt, dass jemand für andere etwas Brauchbares geschaffen hat. Verlust sagt, dass Ressourcen anderswo dringender gebraucht werden. Das ist nicht immer angenehm. Aber die Wirklichkeit wird nicht besser, wenn man ihre Signale verbietet.

Ein freier Markt braucht Recht, Eigentum, Vertragstreue, Haftung und offenen Wettbewerb. Er ist nicht identisch mit einem Kartell, das sich beim Staat Sonderregeln bestellt, und nicht mit einem Konzern, der Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert. Marktwirtschaft heißt nicht: Die Mächtigen dürfen alles. Sie heißt: Auch die Mächtigen müssen sich dem Wettbewerb stellen.

Der Westen ist mehr als eine Himmelsrichtung

Wenn wir vom Westen und von abendländischer Kultur sprechen, meinen wir keine makellose Ahnengalerie. Der Westen hat Irrtümer, Verbrechen und Katastrophen hervorgebracht. Entscheidend ist etwas anderes: Er hat zugleich die Werkzeuge entwickelt, mit denen Macht begrenzt, Irrtum benannt und Unrecht korrigiert werden kann.

Griechische Vernunft, römisches Recht, die jüdisch-christliche Vorstellung von der unverfügbaren Würde des Menschen, Aufklärung, Wissenschaft, Gewaltenteilung, Eigentum und freie Rede bilden keine schnurgerade Heldengeschichte. Sie bilden eine spannungsreiche Tradition. Ihr stärkster Gedanke lautet, dass weder Herrscher noch Mehrheit noch Zeitgeist das letzte Wort über das Gewissen des Einzelnen besitzen.

Die freie Welt ist deshalb kein geografischer Klub. Sie ist eine politische und kulturelle Entscheidung: für offene Gesellschaften, überprüfbare Macht, freie Forschung, freie Medien und das Recht, dem Kollektiv zu widersprechen.

Warum wir dem Sozialismus widersprechen

Der Sozialismus beginnt gern mit einem moralischen Versprechen. Niemand soll zurückbleiben, niemand soll ausgebeutet werden, niemand soll unverschuldet leiden. Das sind menschliche Anliegen. Doch aus dem Versprechen folgt ein System, in dem eine politische Instanz festlegen muss, was gebraucht, hergestellt, verteilt und erlaubt wird. Die freundliche Absicht endet in der Verfügung über fremdes Eigentum, fremde Arbeit und schließlich fremde Lebensentwürfe.

Sobald Komitees über die Bedürfnisse eines ganzen Volkes entscheiden, entsteht zudem eine neue Kaste: Menschen, die nicht durch gute Ergebnisse aufsteigen, sondern durch ihre Nähe zum Apparat. In einem solchen System schlägt Willfährigkeit leicht die Fähigkeit. Wer widerspricht, stört den Plan; wer gehorcht, wird befördert. So spült der Sozialismus seine willfährigsten Helfer und nicht selten auch seine unfähigsten Vertreter an die Spitze. Mancher von ihnen ist lieber Herrscher über einen Aschehaufen als ein kleines Rädchen in einer gut funktionierenden Gesellschaft.

Scheitert die Steuerung, gilt selten die Steuerung als Problem. Dann waren die Mittel zu gering, die Regeln zu locker, die Zuständigkeiten zu unklar und die Menschen noch nicht hinreichend erzogen. Auf den Eingriff folgt der nächste Eingriff. Der Rückweg in eine tausendfach gescheiterte Idee wird als Fortschritt verkauft, während jeder, der an Freiheit und Eigenverantwortung erinnert, plötzlich als Reaktionär dasteht.

Wir drehen diesen Vorwurf um. Reaktionär ist, wer den Einzelnen erneut zum Untertan einer großen Planung machen will. Fortschrittlich ist, wer ihm zutraut, sein Leben selbst zu führen, Verträge zu schließen, Unternehmen zu gründen, Irrtümer zu korrigieren und gemeinsam mit anderen eine Ordnung zu schaffen, die kein Ministerium jemals vollständig überblicken könnte.

Ein Journal mit Standpunkt

Leibnizer wird deshalb nicht so tun, als käme es ohne Haltung aus. Wir trennen Bericht, Einordnung und Meinung. Wir nennen Quellen, prüfen Behauptungen und korrigieren Fehler. Aber wir verstecken unsere Maßstäbe nicht hinter jener sterilen Neutralität, die am Ende meist nur die gerade herrschende Meinung für objektiv erklärt.

Wir sind für den freien Menschen. Für den freien Markt. Für die freie Welt. Für den Westen und die abendländische Kultur. Gegen Sozialismus und Kollektivismus in jeder Form.

Das ist kein Betriebsunfall dieses Journals. Es ist der Grund, warum es existiert.